9 1/2 Wochen: Flirt mit der Distanz

Laufbericht zum 46. RWE Marathon
rund um den Baldeneysee, mit Vorspiel

Essen, 12. Oktober 2008

Von Sebastian Lüning

 

Prolog

Im Grunde ging es mir gut. Die Familie war wohlgeraten, der Job bereitete Freude, es gab genug zu essen und der Urlaub auf den Kanaren war gesichert. Wäre da nicht tief im Inneren diese urmenschliche Unruhe. Die Suche nach dem Außergewöhnlichen, nach neuen Herausforderungen, einem Ego-Projekt, einem ganz persönlichen Ziel. Etwas Besonderes sollte es sein, aber realisierbar sollte es bleiben. Wie wär‘s vielleicht mit Bungeespringen, Nonstop-Arbeiten oder gar dem beliebten Komasaufen? Nein. Etwas aus dem sportlichen Bereich wäre doch viel netter. Am besten Individualsport, da ist man selbst für alles verantwortlich und hat maximale Kontrolle über die Geschehnisse. Laufen wollte ich. Das mache ich nämlich seit meiner Jugend und kann das viel besser als Schwimmen, Tennis oder Fußball. Wenig Diskussionsbedarf gab es auch hinsichtlich der Streckenlänge. Es mußte die klassischste aller Distanzen sein, der Marathon.

Marathonläufe hatte ich schon etliche bestritten. Das Durchhalten alleine konnte es also nicht sein. Die Herausforderung sollte eher in der Bezwingung einer der legendären Zeit-Schallmauern bestehen. Die 4-Stunden-Grenze hatte ich bereits vor Jahren überwunden, ebenso die 3-Stunden-Schwelle. Da die 2-Stunden-Schallmauer offensichtlich für Haile reserviert ist, erweiterte ich auf Halbstundenschritte. Die Zweidreißig sollten fallen.

Bislang hatten mir dazu mehr als 5 Minuten gefehlt, und ich hatte mich dabei wirklich angestrengt! Wenn die 2:30 unterboten werden sollten, mußte ich in der Vorbereitung etwas umstellen, und zwar radikal. Mit der üblichen 10 km Routine-Runde im Park war dies wohl nicht mehr zu bewerkstelligen. Auf der Suche nach geeigneten Anleitungen stieß ich auf Herbert Steffny's „Das große Laufbuch“. Neben einem ausgezeichneten Textteil, enthält das Buch detaillierte Trainingspläne für verschiedenste Wettkampfstrecken und Zielzeiten. Und zu meiner Freude entdeckte ich auch den Marathon-Plan für einen 2:29-Schallmauernlauf, den Herbert ursprünglich wohl für den Senioren-Europameister Jürgen Theofel geschrieben hatte. Ich erschrak ein wenig als ich mir das Trainingsprogramm näher anschaute. Neun Trainingseinheiten gab es da pro Woche zu absolvieren, und das zehn Wochen lang. Das hieß nichts anderes, als Laufen zum Beruf zu machen. Ich überlegte einige Zeit hin und her, aber dann stand die Entscheidung fest. Ja, ich wollte Laufprofi werden. Eigentlich Semiprofi, um es genau zu nehmen, denn zur Arbeit muß ich ja dann doch noch. Und um es nicht ausufern zu lassen, beschränkte ich das Semiprofitum auf die Dauer der Marathonvorbereitung.

Als ich meiner Frau von dem Vorhaben erzähle, hält sie mich für verrückt, läßt mich aber wohlwollend gewähren als ich verspreche, das Training nicht allzusehr mit dem Familienleben kollidieren zu lassen. Und wie Ehefrauen nunmal so sind, bespricht sie das Projekt auch gleich ausgiebig mit ihren Freundinnen. Gemeinsam beschließen sie, daß mein „Wahn schnell wie ein junges Hühnchen laufen zu wollen“ das Vorzeichen einer heraufziehenden Midlife Crisis wäre.

Mir war das egal. Viel wichtiger war da schon die Frage, welchen Marathon ich denn mit meinem Schnell-Lauf beglücken könnte. Berlin lag eindeutig zu früh, Mallorca war zu hügelig, New York viel zu spät. Die Wahl fiel schließlich auf den RWE Marathon „Rund um den Baldeneysee“, ein traditionsreicher Lauf in Essen auf schnellem Kurs. Übrigens gesponsort von meinem Arbeitgeber, das Ergebnis könnte ich dann gleich in die nächsten Gehaltsverhandlungen einfließen lassen.

Der Termin Mitte Oktober erlaubte mir von der Zeitplanung her noch ein komplettes 10 Wochen-Trainingprogramm durchzuarbeiten, inklusive einigem Vorlauf, um den Wochenumfang vorsichtig von 80 km auf 140 km für Trainingsplan-Woche 1 schrittweise zu steigern. Denn mehr als 10% Steigerung pro Woche sind unzulässig, da das Verletzungsrisiko viel zu hoch wäre.

 

Eigentlich habe ich keine Zeit zum Laufen

Ein kleines Problem gab es allerdings noch. Eigentlich habe ich nämlich gar keine Zeit zum Laufen. Schon gar nicht für ein ernsthaftes Marathontraining. Knapp vier Stunden tägliche Pendelfahrt zwischen Bremen und Hamburg zehren am Zeitbudget. Ein Privileg, jeden Tag verreisen zu dürfen, sage ich mir manchmal. Die übrigen 20 Stunden des Tages vertreibe ich mir üblicherweise mit Arbeit, der lieben Familie sowie dem Tiefschlaf. Sollte es mit dem zügigen Marathon irgendwie klappen, mußten in diesem Tagesablauf irgendwo 1-2 Stunden gefunden werden, die dem Lauftraining temporär umgewidmet werden konnten. Egal wann und wo. Gelaufen werden kann fast immer und überall. Ausgenommen hatte ich lediglich den nächtlichen Kernbereich zwischen Mitternacht und sechs Uhr in der früh. Denn wer hart trainiert, hat Anspruch auf einen geregelten Schlaf, insbesondere im vorgerückten Laufsenioren-Alter von 37 Jahren.

Mit Spannung machte ich mich an die Zeitplanoptimierung. In Sportler-Biographien hatte ich gelesen, daß viele berühmte Läufer den Arbeitsweg in ihr Training einbauten. Mit etwas Logistik-Geschick sollten hier doch wertvolle Trainingsminuten herauszuquetschen sein. Die 60 Minuten Intercityzug waren läuferisch natürlich uninteressant, aber die 40 Minuten vom Hamburger Hauptbahnhof zum Büro hatten Potential. Ein Blick auf den Stadtplan ergab, daß zwischen diesen beiden Punkten eine fast ideale Laufstrecke auf mich wartete. Denn nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt liegt Hamburgs Laufparadies Nummer eins, die Außenalster. Nach einer halben Runde um den See folgt man entlang von herrschaftlichen Villen dem Alsterlauf flussaufwärts. Nach 5 km gibt es ein paar lästige hundert Meter verkehrsreiche Innenstadt samt roten Ampeln zu überqueren, gleich dahinter jedoch liegt der lockende Stadtpark. Direkt am selbigen befindet sich dann auch die verehrte Arbeitsstätte, die zudem einen Umkleideraum mit warmen Duschen vorhält. Zehn morgendliche Trainingskilometer waren also gefunden, und das ohne großen zusätzlichen Zeiteinsatz. Idealerweise ließ ich diesen Morgenlauf am Folgetage mit einem Abendlauf auf der gleichen Strecke alternieren, verlängerte hierbei aber den Kurs auf insgesamt 15 km durch die Parklandschaft Planten un Bloomen, was mich dann zum Dammtor Bahnhof brachte.

Voraussetzung dieser Läufe war die Lösung der Kleiderlogistik. Wie kommt frische Sport- und Zivilkleidung dorthin wo sie gebraucht wird? Auf welchem Wege gelangen die vollgeschwitzten Klamotten in die heimische Waschmaschine? Lange hatte ich geknobelt, und schließlich die ideale Lösung gefunden. Vor einem abendlichen Traininglauf ließ ich meine Tageskleidung in meinem Büro-Schreibtisch zurück, die dann dort am folgenden Tag nach dem Morgenlauf auf mich geduldig wartete. Frische und gebrauchte Sportkleidung transportierte ich an den lauffreien Morgenden und Abenden. Letztes Mosaiksteinchen in der Nachschubkette bildete ein kleiner Laufrucksack (CamelBak Mule). Der saß überraschend bequem und transportierte ein paar Wechselklamotten, die ich im Zug bzw. dem firmeneigenen Umkleideraum benötigte. Im Intercity entpuppte sich die geräumige Schwerbehindertentoilette als geeigneter Platz zum Klamottenwechsel.

Die nahezu zeitneutralen Läufe von und zur Arbeit übernahmen einen großen Teil der ruhigen Basiskilometer in meiner Marathonvorbereitung. Sie bildeten auch die wichtige Voraussetzung, an einigen Tagen die vorgeschriebenen doppelten Trainingseinheiten zu verwirklichen. Hierbei ersetzte ich zum Beispiel das Mittagessen durch ein Läufchen im Stadtpark oder durch eine Alsterrunde. An anderen Tagen wartete ich bis zum späten Abend, wenn die Familie sich bereits in die kuscheligen Betten begeben hatte und startete meinen Zweitlauf erst zwischen 21 und 23 Uhr. Für die langen Läufe erhielt ich glücklicherweise die Genehmigung, diese an Sonntagen durchzuführen. Das I-Tüpfelchen des Trainingsplanes bildeten Tempolaufserien, die einmal die Woche auf dem Programm standen. Auch hier mußte ich nicht lange nach einer zeitsparenden Lösung suchen, befindet sich doch in unmittelbarer Umgebung meiner Firma ein schönes Leichtathletikstadion, die Jahnkampfbahn, wo ich mir an etlichen Freitagnachmittagen die Lunge aus dem Hals rennen konnte.

 

Ein Fall für den Psychologen: Die langen Läufe

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Die langen Läufe. Man kann sich auf den Kopf stellen, aber man kommt nicht um sie herum. Keine zusätzliche Tempoeinheit, kein ostindisches Wunderpülverchen, kein Kompressionsunterhemd kann sie ersetzen. Viele haben probiert, ohne sie auszukommen. Die Quittung ist dann ein langes Gesicht am Marathon-Tag. Ich selber fand die langen Läufe immer langweilig und nervig. Mit Gewalt raffte ich mich in der Vergangenheit zu einigen wenigen 24 km Läufen am Wochenende auf. Die lief ich dann gleich etwas schneller, wobei ich hoffte, daß dies die fehlende Länge aufwiegen möge.

Nachdem ich mich auf das Projekt Marathon und Steffny's Trainingsplan festgelegt hatte, geriet mein störrisches Langlaufkonzept ins Wanken. Zunächst nur widerwillig ließ ich mich auf die zusätzlichen Kilometer ein. Gleich in der ersten Trainingswoche wollte Herbert einen 30er sehen. Noch nie war ich im Training so weit am Stück gelaufen. Woher jetzt plötzlich eine 30 km Strecke nehmen? Ich verlängerte meine alte 24 km-Runde ein wenig und trabte los. Schnell bemerkte der Kopf den Betrug, hatte er sich doch im Laufe der Jahre ein Raster aus bekannten Wegmarken und voraussichtlichen Restlaufzeiten zusammengestellt, das nun plötzlich ungültig werden sollte. Nein, der nächste lange Lauf brauchte seine eigene, neue Strecke. In der Folgewoche standen nun schon 32 km auf dem Sonntagsprogramm. Ich stöberte in den Streckenbeschreibungen auf runnersworld.de/laufstrecken und fand eine schöne 32 km Runde, die ich noch nicht kannte. Ein Aufbruch zu neuen Ufern, genauer gesagt ein Wechsel vom Süd- an das Nordufer der mäandrierenden Wümme. 32 km durch Terra Incognita, der lange Lauf als Entdeckerlauf durch heimatliche Gefilde, die ich doch angeblich so gut kannte. Ein Riesenspaß.

Am nächsten langen Laufsonntag bin ich mit der Familie auf Reisen und der lange Lauf muß ausfallen. Daher nehme ich mir am folgenden Montag einfach frei. Stichwort Semiprofi. Da nun mehr als 35 km zu bewältigen sind, möchte ich einen neuen Psychotrick ausprobieren. Das Training beginnt heute mit einer 45-minütigen Zugfahrt. Es geht nach Elsfleth, an der Unterweser gelegen. Von hier aus will ich stromaufwärts auf dem Weser-Radweg zurück nach Bremen laufen. Abkürzen ist zwecklos, weil unmöglich. Der Kopf stellt keine dummen Sinn-Fragen, denn es ist selbstverständlich weiterzulaufen, wenn man zuhause irgendwann ankommen möchte. Der heimische Herd als Läufer-Magnet. Das Konzept geht voll auf und der Trainingslauf wird zum bleibenden Erlebnis. Mittlerweile liebe ich die langen Läufe. Es sind die anstrengenden Highlights im Trainingsalltag, außergewöhnliche und etwas verrückte Aktionen, an die ich mich auch noch in ein paar Jahren erinnern werde.

An einem anderen Sonntag gilt es 38 km abzuarbeiten. Es ist recht warm und ich verspüre wenig Lust, literweise Getränke durch die Wallachei zu schleppen. Wie toll wäre es eigentlich, wenn mir jemand alle 15 Minuten ein paar Schlucke reichen könnte? Meine Frau lehnt dankend ab. Ja, bei Laufveranstaltungen ist das immer bestens organisiert, da gibt es in regelmäßigen Abständen Erfrischungsoasen mit willigen Helfern. Da kommt mir die Idee, einfach einen Marathon für Trainingszwecke zu missbrauchen. Voraussetzung ist natürlich eine große Portion Disziplin, denn das Tempo muß auf jeden Fall moderat gehalten werden. 3:10 wären ok, errechne ich. Ein schneller Marathon-Testwettlauf muß unbedingt vermieden werden und wäre absolut kontraproduktiv.

Ort des Geschehens wird der Moormarathon in Goldenstedt, etwa eine Autostunde südlich von Bremen gelegen. Der Marathon besteht aus zwei großen Runden, die auf Feld- und Wirtschaftswegen in uriger Sumpflandschaft abgehalten werden. Halbmarathonis und Marathonis laufen gemeinsam los. Ich gruppiere mich bewusst im Mittelfeld, was mich vor falschem Ehrgeiz schützen soll. Die Verpflegungsstände nutze ich ausgiebig, bleibe jedes mal kurz stehen und trinke gleich mehrere Becher. Nach einer erfreulichen ersten Hälfte neigt sich die erste Runde langsam dem Ende entgegen. Das Feld lichtet sich. Die Halbmarathonis haben es geschafft, für alle anderen geht es weiter. Die führenden Marathonteilnehmer sind außer Sichtweite, weit enteilt, vermute ich. Ein Zuruf vom Straßenrand beunruhigt mich dann aber. „Da kommt der führende Marathonläufer“. Erst mit Verzögerung realisiere ich, dass sie wohl mich meinen. Die Freude hält sich in Grenzen, lauert doch nun die Gefahr, den Lauf zu ernst zu betreiben. Engelchen und Teufelchen beginnen sich nun zu bekriegen. Während Teufelchen mich beschwört, diesen Sieg nicht mehr aus der Hand zu geben, ruft Engelchen mir immer wieder zu, die Geschwindigkeit zu drosseln. Ich fühle mich hin- und hergerissen, bleibe aber recht locker. Die letzten paar Kilometer kosten dennoch etwas Kraft. Nach 2:48 erreiche ich als erster das Ziel, mit etwa zwanzig Minuten Vorsprung. Ein toller Lauf auf toller Strecke bei tollem Wetter. Dennoch bin ich mir unsicher, ob ich einen langen Lauf wieder in einen Wettkampf integrieren werde. Denn so ganz kann ich mir in Sachen Tempodisziplin selber nicht trauen.

Am Ende der achten Trainingswoche, vierzehn Tage vor dem Tag X, lerne ich die Mutter aller langen Läufe kennen. Es sind nur 32 km, dafür aber mit legendärer „Endbeschleunigung“. Eine Spielart des langen Laufes, die unter Langstreckensportlern Angst und Schrecken verbreitet. Zunächst laufe ich 20 lockere Trimmtrab-Kilometer, soweit so gut. Über die folgenden 5 km verschärft sich dann aber das Tempo auf zunächst 3:45 pro km, woran sich weitere 5 km im 3:30 pro km Tempo anschließen. Das ganze findet im Nieselregen statt. Es dunkelt bereits als ich mühsam über die heimische Türschwelle krieche. Die besorgte Ehefrau ist voller Mitgefühl und stützt mich sogar auf dem Weg zur heißen Badewanne. Was sie dabei in des Läufers erschöpftem Gesicht übersieht, ist ein fast unmerkbares Lächeln. Denn der Plan wurde erfüllt.

 

Es zwickt

Fast noch wichtiger als den Trainingsplan einigermaßen einzuhalten, ist es, sich nicht großartig zu verletzen. Viele ambitionierte Marathonvorbereitungen sind so schon in der Frühphase wegen defekter Hardware gescheitert. Jedes Zwicken und Zwacken könnte der Anfang vom Ende sein. Im Laufe der vielen Trainingswochen horche ich tief in den Körper hinein. Die Achillessehne halte ich mit Zehenspitzenständen in Schach. Blaue Zehen bekämpfe ich, indem ich skrupellos meine Lieblingslaufschuhe entsorge und durch ein größerformatiges Paar austausche. Meinen überspannten Oberschenkeln erspare ich Zerrungen durch ausgedehnte Badefeste, und bei beginnendem Knieschmerz kippe ich Ackerschachtelhalmtabletten in mich hinein. In einigen besonders hartnäckigen Fällen wähle ich allerdings ein ganz besonderes Heilverfahren. Ich lege einfach eine Laufpause ein. Hierdurch verkürzte sich zwar der geliebte 10 Wochen-Trainingsplan auf schließlich 9 1/2 Wochen, aber die Verletzungen konnten dadurch gebannt werden, noch bevor sie Zeit hatten sich groß zu entfalten. Wie schreibt Herbert so schön in seinem Buch: „Weniger ist manchmal mehr“. Recht hat er.

 

One, two, three - testing, testing

Den gesamten Sommer lang übte ich mich als fleissiger Laufschüler. Ich erledigte alle meine Hausaufgaben und versuchte sowohl vorgegebene Kilometer als auch Tempi einzuhalten. Ab und zu hieß es dann aber „Hefte raus, Klassenarbeit“. Testwettkämpfe zur Formüberprüfung. Im Grunde liebte ich diese Wochen, denn im Vorfeld wurden die Wochenkilometer merklich gedrosselt und der Wettkampf bot die Möglichkeit einer Luftveränderung, eines Ausbrechens aus dem Trainingstrott. Halbmarathonläufe zählten dabei gleichzeitig als langer Lauf, erschlugen also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Und aus diesem praktischen Grund gönnte ich mir über den Sommer verteilt gleich vier Rennen über die halbe klassische Distanz. Der Reigen begann Anfang Juli mit einem Flachland-Lauf in Bothel bei Rotenburg/Wümme, wo ich eine Zeit von 1:14 vorlegte, was ein ordentlicher Start für mich war.

Ende des gleichen Monats konnte ich die Familie zu einem Kurzurlaub nach Bad Pyrmont locken, wo „zufällig“ gerade der Bad Pyrmonter Brunnenlauf stattfand. Bei 35 Grad Celsius ging es auf lauschigen Waldpfaden den steilen Hausberg hinauf. Nach 375 Gesamt-Höhenmetern blieb am Ende die Uhr bei 1:16 stehen. Also ging es offensichtlich auch mit der Form bergauf. Fast einen Monat später setzte ich meine Halbmarathonserie im vermeintlichen Hamburger Flachland beim Blankeneser Volksfürsorge Heldenlauf fort. Aber auch dieses Rennen entpuppte sich dann fast als Berglauf. Der schöne Kurs kletterte ständig das steile Elbhochufer hinauf- und hinunter und schreckte auch vor steilen Treppenpassagen nicht zurück. Das Resultat von 1:15 sah ich wiederum als ansteigende Formbestätigung. Nach einem etwas schwächeren 10-Meilen Lauf beim Hamburger Airport Race (55 min), ging es schließlich vier Wochen vor dem Tag X zum abschließenden Halbmarathontest, den ich im kurz vor der Elbmündung gelegenen Otterndorf durchführen wollte. Steffny's Plan hatte hierfür eine Zeit von 1:11 vorgesehen, gleich zweieinhalb Minuten über meinen Bestzeit. Nun würde sich zeigen, was der Läufer und gleichzeitig auch der Trainingsplan draufhatten. Innig verknüpft, werden Läufer und Plan es entweder gemeinsam packen oder in trauter Zweisamkeit zugrunde gehen.

Die Veranstaltung selber war für das Vorhaben bestens geeignet. Zum einen gab es eine flache, schnelle Strecke. Desweiteren hatten die finanzkräftigen Organisatoren tief in die Tasche gegriffen und eine Gruppe von Kenialäufern eingekauft, die sie gleichmäßig auf die verschiedenen Läufe verteilt hatten. Und drittens starteten die Marathonläufer gleichzeitig mit den Halbmarathonläufern. Ich hatte also die Möglichkeit, mich entweder an die schnellen Kenia-Halbmarathon-Damen zu hängen oder es mit den Kenia-Marathon-Herren zu versuchen. Nachdem die Damen nach ordentlicher Anfangsphase deutlich nachließen, entschied ich mich für die Marathon-Herren. Das Tempo fiel zufällig genau mit meiner Wunsch-Zielzeit zusammen. In der flotten Gruppe gestaltete sich das Rennen zudem als sehr angenehm und entspannt, zumal wir auch keine Konkurrenten waren. Erst auf den letzten drei Kilometern begann ich die Anstrengung zu spüren. Gemeinsam überliefen wir nach 1:11 die Finishlinie. Während Rob und Julius erst die Hälfte ihres Arbeitstages hinter sich hatten und sich sogleich auf die zweite Runde machten, war ich punktgenau im Zeitziel gelandet. Wir hatten es geschafft. Der Läufer mit dem Plan. Oder vielleicht eher der Plan mit dem Läufer? Es blieb vorerst unklar, wer hier den Ton angab, und ehrlich gesagt ware es mir auch vollkommen schnuppe. Denn der Weg stimmte.

 

Die letzte Woche

Die letzte Woche vor dem Rennen wurde eingeläutet. Aber oh Schreck, sieben Tage vor dem großen Ereignis hatte der Sommer vorzeitig schlapp gemacht. Stürmischer Dauerregen pfiff mir um die Ohren. Die Temperaturen waren in unglaubliche Tiefen abgestürzt. Ein wahrer Super-GAU falls heute das Rennen stattfinden würde. Ungerecht wäre es! (Zum Glück mußten an diesem Tag nur die Kölner ran.) Da trainiert man sich den Hintern wund und wird dann durch die atmosphärischen Elemente derart abgestraft. Die Berliner in der Vorwoche hatten perfektes Laufwetter, das Haile gleich zum Weltrekord genutzt hatte. Sollte sich nun meine Entscheidung rächen, einen späten Marathontermin zugunsten einer längeren Trainingsphase gewählt zu haben? Petrus hatte noch 7 Tage Zeit, seine Wetterkapriolen unverzüglich einzustellen.

Wenigstens der Trainingsplan hatte mit mir ein Einsehen. Lächerliche 55 km hatte er mir für die letzte Woche zusätzlich zum Marathon anzubieten. Geliebte Tapering-Phase. Ich nutzte die freigewordene Zeit und studiere gewissenhaft das „Die letzte Woche“ Kapitel in Steffny's großem Laufbuch. Vaseline und Brustwarzenpflaster galt es einzukaufen, Wettkampfklamotten rauszusuchen und Fußnägel zu bearbeiten. Und dazu Herbert's eindringliche Aufforderung: „Befrieden Sie Ihr privates und berufliches Umfeld“. Bloß keinen Stress in der letzten Woche aufkommen lassen. Klingt absolut plausibel. Also der Frau keine Widerworte mehr geben und mit den Arbeitskollegen keinen frischen Streit beginnen. Das klappte den Montag alles auch ganz vorzüglich. Aber bereits am Dienstag hatte sich das Schicksal etwas anderes, viel interessanteres für mich ausgedacht. Die liebe Ehefrau wurde unerwartet mit akuten Frühwehen ins Krankenhaus eingeliefert, und bei der Arbeit prasselten plötzlich unaufschiebbare Eilprojekte auf mich hernieder. Einige Tage lang sah es ernsthaft so aus, als müßte ich noch vor dem ersten Marathonschritt das Rennen aufgeben. So schnell können sich die Prioritäten verschieben. Am Ende hatte ich aber Glück. Der vorschnelle Nachwuchs hatte ein Einsehen und beschloß, sich weiterhin mittelfristig im Inneren der Mutter aufzuhalten. So erhielt ich kurzfristig die Erlaubnis, mich über das Wochenende an den Baldeneysee zu entfernen.

Am Samstagmittag machte ich mich auf die Reise. Viele andere Menschen hatten scheinbar die gleiche Idee gehabt, und man traf sich in langen, stillstehenden Kolonnen auf der Autobahn. Auf den wenigen, flüssig zu befahrenden Straßenabschnitten konnte ich schonmal eine wichtige taktische Grundregel für den Folgetag vorüben. Die Tempodisziplin. Unzählige Radarfallen im Ruhrgebiet bilden dabei einen guten Trainingsparcours. Während auf der Straße die Geschwindigkeitsüberschreitungen lediglich ein paar Scheinchen kosten, könnte es beim Marathon dagegen den vorzeitigen Ausstieg provozieren.

Ich erreichte das Marathongelände paßgenau zehn Minuten vor Schließung der Startnummernausgabe. Im No-Nonsense Starter-Jutebeutel befand sich die Marathon-Minimalausstattung. Ein Programmheft mit Grußworten des Oberbürgermeisters, ein Traubenzuckerchen, eine kleine Sojamilch, ein paar Werbezettel. Und meine Startnummer, die Nummer nine-eleven, neunhundertelf. Der Tag X rückte näher.

 

Ein sonniger Morgen am Baldeneysee – Der Tag X

Der Marathonmorgen ist gekommen. Mein erster Blick aus dem Hotelfenster gilt dem Himmel. Es ist sonnig und trocken, nicht zu warm und nicht zu kalt. Am Baldeneysee herrschen ideale Laufbedingungen. Eins ist klar, das Wetter wird heute nicht als Sündenbock herhalten können, wenn es mit dem Wunschergebnis nicht klappen sollte.

Ich bewege mich frühzeitig auf das Veranstaltungsgelände, will die Stimmung einfangen. Trotz 2000 Teilnehmern bleibt die Atmosphäre familiär. Es herrscht emsige Geschäftigkeit, gewissenhaft bereiten sich die Sportler auf ihren 42 km langen Sonntagsausflug vor. Jeder lebt dabei seine eigenen Rituale. Einige stretchen sich stundenlang warm, andere klemmen sich trotz der Verpflegungsstände literweise isotonische Wegzehrung an spezielle Gürtelvorrichtungen. Und ich kippe mir erstmal einen Liter Cola hinter die Binde.

Da ich nur wenige 100 m vom Start/Zielbereich entfernt parke, kann ich praktischerweise meinen Kofferraum als verschließbares Depot nutzen. Nachdem ich mich eingelaufen habe, packe ich einen kleinen Kleiderbeutel zusammen, in den ich den klobigen Autoschlüssel sowie einige Wechselklamotten lege. Fünfundzwanzig Minuten vor dem Startschuß schlendere ich mit diesem Beutel gemütlich zum Abgabeschalter. Aber oh Schreck, eine irre Warteschlange windet sich quer über den Vorplatz. Hier kann ich mich unmöglich anstellen, wenn ich den Start noch rechtzeitig und in Muße erleben will. Kurzerhand retourniere ich die Wechselklamotten in den Kofferraum und kann den Autoschlüssel nach einigen Diskussionen glücklicherweise am T-Shirt-Stand loswerden. Tschüß liebes Auto. Daher hier ein klitzekleiner Verbesserungsvorschlag einer ansonsten perfekten Veranstaltung: Gebt den Teilnehmern zusammen mit den Startunterlagen bereits ein beschriftetes Beutelschild, dann entfallen lange Markierungsaktionen bei der Beutelabgabe. Zudem kann eine Sortierung der Beutel auch während des Laufes erfolgen, hierzu stehen mehr als zwei Stunden zur Verfügung.

Erleichtert erreiche ich schließlich den Startbereich, wo sich die Läufer selbständig nach ihren angestrebten Laufzeiten sortiert aufstellen. Brems- und Zugläuferballons geben uns einen guten Anhaltspunkt über den idealen Startplatz. In der ersten Reihe stehen die drei Favoriten Manuel Meyer, Tobias Sauter und Zelalem Martel samt Tempomacher Alexander Lubina. Einige dieser Herren kenne ich bereits aus dem Fernsehen. Eine Ehre, direkt hinter ihnen starten zu können. Aus der Presse war zu entnehmen, daß die Fahrt an der Spitze auf unter zwei Stunden zwanzig gehen soll. Wenn ich mein Zeitziel von sub-2:30 schaffen wollte, muß ich mich unbedingt von dieser Tempogruppe fernhalten. Ich habe mir meine Zwischenzeiten für jeden Kilometer im Internet ausrechnen lassen und am Vorabend mit schwarzem Edding auf die Hand geschrieben. Und als die Hand dann vollgeschrieben war, pinselte ich den Rest einfach auf den Unterarm (was sich später rächen sollte, da meine schweißdurchnäßte Uhr diese wertvollen Information während des Rennens wieder abschabte).

 

Jetzt gehts um die Wurst

Der Start erfolgt. Die Favoritengruppe legt gleich einmal ordentlich los. Mein Tempogefühl lässt mich leider etwas im Stich, ich bin mir unsicher, ob ich die richtige Anfangsgeschwindigkeit angeschlagen habe. Ungeduldig warte ich auf die erste Kilometermarkierung, um Klarheit zu schaffen. Diese taucht wenig später auf. Und in der Tat, ich bin deutlich zu schnell, gleich 15 Sekunden um genau zu sein. Ich nehme sofort Fahrt heraus und schaffe es im Folgenden zum Glück weitestgehend im Plan zu bleiben. Die Spitzengruppe war schnell außer Sichtweite. Ein paar Kilometer renne ich zusammen mit einem Läufer, der sich 2:40 vorgenommen hatte, dafür aber viel zu schnell unterwegs ist. Ich verliere ihn an der ersten Getränkestation und bin nun bis zum Halbmarathon alleine. Naja, alleine mit meinem „Führungsfahrrad“. Dankenswerterweise haben die Veranstalter für die erweiterte Spitze mehrere Fahrradeskorten abgestellt, die sich je nach Rennsituation Kleingruppen bzw. Einzelläufern flexibel zuordnen können. Ein toller Service. Zwar ist die Strecke gut ausgeschildert, aber die Führung gibt Sicherheit, auf dem richtigen Kurs zu sein. Frühzeitig informiert mich meine Eskorte über bevorstehende Richtungswechsel und Verpflegungsstände. Auf der zweiten Runde um den See schlägt mir der nette Helfer zudem eine Schneise in die Schar überrundeter Läufer. Das wirkt sowohl für die Überholenden als auch die Überholten stressabbauend.

Kurz vor der Halbmarathonmarke höre ich ein rasch näher kommendes Atmen hinter mir. Offensichtlich plant hier jemand mich schnellen Schritts zu überholen. Eigentlich kann es nur ein schneller Staffelläufer sein, die ein paar Minuten nach uns Marathonis auf die Strecke gegangen sind. Die Überraschung ist groß, als sich der Schnellläufer als Marathon-Mitkonkurrent entpuppt. Da ich nun wie ein Uhrwerk mein Tempo konstant abspule, drückt hier jemand in der zweiten Hälfte des Rennens kräftig auf die Tube. Die Halbmarathonmarke passieren wir gemeinsam in 1:14. Dann zieht er an mir vorbei und nimmt ein paar Meter vor mir seine neue Position ein. Da er seine eigene Fahrradeskorte von hinten mitbrachte, haben wir jetzt zwei Fahrradoffizielle um uns. Immer wieder versucht mein Laufkonkurrent auszubrechen und führt dabei abenteuerliche Tempowechsel durch.

Etwa 10 km vor dem Ziel wird dann der Mann mit dem Hammer tätig. Zum Glück trifft es nicht mich, sondern den Mitwettbewerber. Er verlangsamt plötzlich und ich gerate wieder auf meine alte Laufposition zurück. Provoziert durch ungleichmäßige Tempogestaltung wird er nun nach hinten durchgereicht. Marathon als Geduldsspiel und Gratwanderung mit schmalem Tempo-Korridor. Wer zu schnell läuft, wird gehämmert, wer zu langsam läuft verschenkt unnötig Zeit-Potential. Die kreativen werden bestraft, der gleichmäßige Schlappschritt gewinnt. Der Mensch als Marathon-Maschine, mit dem Führerhaus im Kopf. Die ersten 35 km muß das Hirn bremsen, den Rest drücken. Voraussetzung für das Funktionieren dieser Betriebsweise ist dabei ein unbedingtes Vertrauen in die vorausberechneten Zwischenzeiten. Für mich hatte sich diese Frage zum Glück nach dem Otterndorfer Testwettkampf erledigt. Ich bin mir sicher, Herbert Steffny weiß genau was er seinen Athleten zumuten kann.

Die fünf Schlußkilometer brechen an. Ich muß tief in die Psychotrickkiste greifen, um der rapide einsetzenden Ermattung entgegenzuwirken. Wofür hast Du eigentlich so wild trainiert? Willst Du jetzt alles verspielen. Fünf Kilometer, was ist das schon. Die bist Du doch im Training auf einem Bein locker abgehüpft. Versuch die Geschwindigkeit zu halten! Der eingeplante Puffer ist minimal. Nur wenige Sekunden Verzug, und die zweieinhalb Stunden-Schallmauer wäre grandios verfehlt.

Am Ende halte ich irgendwie durch. Das Tempo muß ich zwar etwas drosseln, aber schließlich reicht es. Nach 2:29:35 erreiche ich glücklich und auf dem letzten Loch pfeifend das Ziel. Fast hole ich noch Zelalem Martel ein, den diesjährigen Deutschen 10 km Meister der Herzen, der nur wenige Sekunden vor mir das Finish erreicht. Der vorläufige Schlußpunkt meiner Semiprofi-Karriere, einer 9 1/2 Wochen langen Liaison, die nun ihr Happy End findet. Eine Punktlandung auf der Unterseite der imaginären zweieinhalb Stunden Grenze. In die Freude mischt sich das seltsame Gefühl, etwas ganz und gar Unwahrscheinliches geschafft zu haben. Mehr als 42 km ist mein Bogen geflogen und soll dann genau ins Schwarze treffen, mitten in das geplante Zeitziel. Es ist schon faszinierend, wie genau die menschliche Leistungsfähigkeit vorausberechnet und durch Training eingestellt werden kann.

 

Kassensturz

9 1/2 Monate Semi-Profi und nun offiziell bestätigter Schallmauern-Durchbrecher, den Status lasse ich mir gerne gefallen. Aber wie soll es nun nur weitergehen? Vielleicht sollte ich jetzt doch Voll-Profi werden? Das zieht doch viel besser als lediglich „Semi-Profi“, was sowieso nur Erklärungsnot hervorruft. Machen wir einfach mal einen kleinen Kassensturz. Wieviel ist nach dieser doch insgesamt recht erfreulichen Saison materiell hängengeblieben? In Essen verdiente ich mit meiner Laufarbeit ein großes Badehandtuch. Damit kann man zwar keine Familie ernähren, aber abtrocknen wollen sich später dann doch wieder alle damit. Zielführender und elementarer war da schon mein Preis beim Bad Pyrmonter Halbmarathon-Sieg. Hier bekam ich eine Fünf-Literflasche Mineralwasser vom Hauptsponsor des Laufes in die Hand gedrückt. Nach zwei Wochen des ehrfürchtigen Bestaunens dieses gar außergewöhnlichen Geschenks war jedoch die Schonfrist vorbei. Die Familie hatte Durst und trank die Wunderflasche einfach aus, was ich leider zu spät bemerkte. Wäre ich doch nur zweiter bei dem Lauf geworden, denn der Zweite bekam ein kleines Fässchen Bier, was ich ganz für mich allein gehabt hätte.

Kurz darauf beim Blankeneser Halbmarathon erhielt ich für meinen ersten Platz übrigens ein passendes 5 Liter Glas von Erdinger dazu. Leider war es zu groß für unseren Küchenschrank wurde daher eiligst von der Ehefrau aussortiert. Das Hamburger Airport Race Anfang September brachte mir dann ein Airbus Flugzeug Modell ein, das sogleich der 5-jährige Sohn konfiszierte. Mittlerweile fehlen drei Triebwerke sowie der linke Flügel. Und auch das Wildnis-Überlebens-Set des Otterndorfer Halbmarathons von Mitte September riß sich der Kleine unter den Nagel. Besonders das Fernglas gefiel ihm sehr, weil alles so seltsam klein aussieht, wenn man falsch herum hineinguckt.

Summa-summarum hatte ich also gut verdient dieses Jahr. Trotzdem war ich mir etwas unsicher, ob ich die gefräßige Familie langfristig mit meinem Läufereinkommen satt bekommen kann. Daher biß ich in den sauren Apfel und entschied mich, vorläufig doch lieber Hobbyläufer zu bleiben. Das hat den weiteren Vorteil, daß ich die Laufschuhe auch mal wuchtig in die Ecke schmeißen kann, wenn mir die Rennerei stinkt. Und falls ich nochmal richtig Lust bekommen sollte, dann werde ich für 9 1/2 oder vielleicht sogar gleich 10 Wochen wieder den persönlichen Ausnahmezustand ausrufen und erneut in die Rolle des Semiprofis schlüpfen, einen Flirt mit der Distanz wagen. Denn wenn es sich wirklich um eine Midlife Crisis handeln sollte, muß ich dringend etwas dagegen unternehmen…

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